Wie ich euch in meinem letzten Blogbeitrag bereits erzählt habe, arbeite ich nun seit knapp zwei Jahren als PES-Vertretungslehrerin an einer Grund- und Realschule plus. PES bedeutet „Personalmanagement im Rahmen Erweiterter Selbstständigkeit von Schulen“ und wird meines Wissens nur in Rheinland-Pfalz in dieser Form angeboten.
Wie ich zur PES-Stelle kam
Doch wie kam ich eigentlich dazu, mich schon nach dem 2. Semester als Vertretungslehrerin zu bewerben? Da ich am liebsten von Anfang an direkt an einer Grundschule gearbeitet hätte, kamen mir die Erzählungen einer Freundin sehr entgegen, die nach einem Praktikum eine PES-Stelle angeboten bekommen hatte. Also informierte ich mich auf der Website. Die einzige Voraussetzung war das erfolgreich absolvierte Orientierungspraktikum – wenige Stunden später war ich im Portal registriert, in dem Glauben, dass mich so schnell eh niemand haben wollte.
Dem war nicht so: Schon einige Tage später kam die erste Anfrage einer Grundschule, circa 25 Minuten von mir entfernt. Ich nahm mir vor, am nächsten Tag zuzusagen – und hatte Glück, dass ich gewartet hatte. Denn am nächsten Tag rief meine alte Grundschule an und lud mich zum Vorstellungsgespräch ein. Die Schule liegt nur fünf Minuten von zu Hause entfernt, einige Lehrer*innen kannte ich noch aus meiner eigenen Schulzeit – ich war mir schnell sicher: Da will ich hin! Also unterschrieb ich den Vertrag, erst einmal für ein halbes Jahr mit drei Stunden pro Woche. Mit vier Stunden wäre ich damals schon über die 450-Euro-Grenze gekommen, ab der Steuern fällig geworden wären. Das Gehalt ist also alles andere als schlecht. Da ich im dritten Semester montags und dienstags „frei“ hatte, waren das fortan meine Einsatztage während der Vorlesungszeit.
Ins kalte Wasser geworfen
Schon an meinem ersten Arbeitstag wurde ich ins kalte Wasser geworfen: vier Stunden allein in einer 4. Klasse. Glücklicherweise hatte der Klassenlehrer etwas vorbereitet. Das war allerdings nicht immer so – weshalb ich immer mehr anfing, im Internet nach Unterrichtsmaterialien zu suchen und schließlich selbst Materialien für spontane Vertretungsstunden zu erstellen, vorrangig Suchsel. In den nächsten Wochen wurde ich in den unterschiedlichsten Klassen eingesetzt. Mein Rekord: zehn Stunden Vertretung an einem einzigen Tag. Manchmal wurde ich aber auch wochen- oder monatelang nicht gebraucht. Ab März 2020 kam dann immer wieder die Corona-Notbetreuung dazu.
Nach dreimaligem Verlängern meines Vertrags wartet ab November ein neuer Vertrag mit festen, eigenverantwortlichen Stunden auf mich. Stand heute durfte ich schon 280 Stunden allein vor einer Klasse stehen – diese Erfahrung kann mir niemand mehr nehmen. Ich glaube, keine dieser Stunden war perfekt. Auch „Unterricht“ würde ich es nicht immer nennen. Aber spätestens nach den ersten Tagen merkst du: Unterrichten ist nur eine von vielen Aufgaben einer Grundschullehrkraft.
Mein Fazit: Sammle Praxiserfahrung, so früh es geht
Die Arbeit als Vertretungslehrerin bringt meiner Meinung nach mehr als jedes Studium – denn was du im Studium vermittelt bekommst, hat wenig mit dem wahren Schulalltag zu tun.
Nächste Woche beginnt mein viertes Praktikum. Aber auch 2–3 Stunden eigenverantwortlicher Unterricht im Praktikum sind nicht vergleichbar mit einer Stelle, an der du dich wirklich ausprobieren kannst und deine Stärken ganz neu kennenlernst. Abschließend kann ich daher jedem ans Herz legen, während – oder am besten schon vor – dem Studium möglichst viel Praxiserfahrung zu sammeln. Ich kenne mittlerweile so viele Studierende, die acht Semester studieren und dann im Referendariat merken: „Das ist nichts für mich.“ Meinem Studium hat die Arbeit nebenbei nicht geschadet, im Gegenteil: Sie hat mich bestärkt und mir gezeigt, warum ich das alles (Klausuren, Hausarbeiten usw.) mache. Überall werden Lehrer*innen händeringend gesucht. Also – worauf wartest du? 🙂