Auch ohne entsprechende Leistung aufrücken bis in Klassenstufe 9: Sitzenbleiben an Realschulen plus und Integrierten Gesamtschulen ist bis Klasse 9 längst abgeschafft
Vor einigen Jahren hat man an den integrativ arbeitenden Realschulen plus (etwa die Hälfte aller Realschulen) und an den Integrierten Gesamtschulen das Sitzenbleiben bis einschließlich Klassenstufe 9 abgeschafft. Das Resultat: Alle Schülerinnen und Schüler rücken einfach jedes Schuljahr weiter bis in Klassenstufe 9, stehen dann aber bei entsprechend schlechten Noten ohne die Berufsreife (den ehemaligen Hauptschulabschluss) da. Reicht dann eine Wiederholung des 9. Schuljahres nicht, um die Lücken aus den vergangenen fünf Schuljahren zu schließen, müssen sie die Schule ohne Abschluss verlassen.
Wenn Inklusionskinder einfach vorrücken, wie lässt sich dann rechtfertigen, dass andere zunächst den versäumten Stoff nachholen müssen? Schon gar, wenn es für die Klasse gar nicht mehr erkennbar ist, warum einzelne nicht den gleichen Anforderungen unterliegen wie sie selbst? Schließlich soll ja, wie gesagt, niemand durch das Etikett „Förderbedarf“ stigmatisiert werden. Das bedingungslose Weiterrücken hat Jugendlichen an Realschule plus und Integrierter Gesamtschule das Genick gebrochen. Die Entkoppelung des Vorrückens in die nächste Stufe von der gezeigten Leistung ist fatal und steuert Jugendliche ins Bildungsaus.
Dies betraf eine recht große Zahl von Schülerinnen und Schülern, da sie ja immer nur von Stufe zu Stufe weitergerückt waren, ohne dass jemals irgendwelche Lücken, die sich auf dem Weg aufgetan hatten, hätten geschlossen werden können. Wachgerüttelt von den viel zu hohen Zahlen von Abgängern ohne Schulabschluss, schuf das Bildungsministerium die Möglichkeit, ein sogenanntes Berufsvorbereitungsjahr an einer Berufsschule zu absolvieren: Wenigstens dort sollte die Berufsreife, also der Hauptschulabschluss, nachgeholt werden können (QR-Code zu https://www.landesrecht.rlp.de/bsrp/document/jlr-BerVorbBerSchulVRPrahmen).
Das Projekt nannte man „Keiner ohne Abschluss“, leider nicht ganz zu Recht, denn nach wie vor gibt es eine hohe Zahl von Jugendlichen, die ohne Abschluss die Schule verlassen. Sie sind für die Bildung und für den Arbeitsmarkt verloren. Jungen Menschen, die Deutschland gegen den Fachkräftemangel hätten unterstützen können, wird so der Weg in die Sozialsysteme vorgezeichnet. Sie sind Opfer einer verfehlten Schulpolitik, nicht nur, aber auch in Rheinland-Pfalz.